Akustik-Wissen · 05

Textile Akustik planen

Wie aus Raumproblem, Architektur und Nutzung eine textile Lösung wird — von der ersten Einschätzung bis zur Übergabe.

Lesedauer: ca. 10 Minuten Architekt:innen, Planer:innen, Bauherrschaft Niveau: Planung

Wann textile Akustik eingeplant gehört

Textile Akustik wirkt früh am besten — als Teil des Entwurfs, nicht als Nachrüstung. Werden Vorhang, Schiene und Anschluss erst nach der Inbetriebnahme dazugesetzt, schrumpfen die Optionen: Schienenführung wird zur Kompromisslinie, Brandschutznachweise müssen kurzfristig beschafft werden, Faltenanschluss und Bodenabstand wirken zufällig.

Sinnvoll ist der Einstieg in der Entwurfsphase — spätestens in der Ausführungsplanung. Dann lassen sich vier Dinge sauber abbilden: akustisches Ziel, Schienenführung, Brandschutz und die Übergaben zu Trockenbau, Decke und Elektrik.

Planungsregel: Akustik ist Teil der Architektur — nicht ihr Zusatz. Je früher textile Maßnahmen integriert werden, desto weniger sichtbar werden sie. Und desto klarer wird die akustische Wirkung.

Schritt 01 — Raum verstehen

Jede textile Lösung folgt aus der Raumaufgabe. Vor der Materialwahl steht die Analyse:

  • Geometrie und Volumen — Raumhöhe, Grundriss, Decken- und Bodenmaterial.
  • Nutzung — Sprache, Musik, Aufnahme, Aufenthalt, Konzentration.
  • Oberflächen — Anteil harter vs. weicher Flächen, vorhandene Möblierung.
  • Akustisches Ziel — Nachhallzeit nach DIN 18041 oder Erfahrungswert.
  • Lichtanforderung — Blendschutz, Verdunkelung, Tageslichtsteuerung.
  • Brandschutzkontext — Versammlungsstätte, Schulgebäude, öffentliche Nutzung.

Aus diesen Daten entsteht ein Bild davon, wie viel Absorptionsfläche benötigt wird — und wo sie im Raum am wirksamsten sitzt. Wavetex erstellt diese Einordnung auf Basis von Plan, Schnitt oder Foto — ohne kostenpflichtige Vor-Ort-Messung in dieser Phase.

Schritt 02 — Lösung definieren

Erst nach der Analyse fällt die Entscheidung über die Lösungstypen. Sieben textile Antworten stehen zur Verfügung — und meist sind es zwei oder drei davon im Zusammenspiel:

  • Akustikvorhang — Nachhall am Fenster oder als raumhohe Zonierung.
  • Schallschutzvorhang — Schallübertragung zwischen Zonen mindern.
  • Akustikrollo — Akustik und Lichtkontrolle in einer textilen Fläche.
  • Akustikbild / Paneel — Wandfläche mit Klasse A.
  • Verdunkelung / Lichtkontrolle — Blackout, Dimout, Transparent.
  • Vorhangschienen-System — die Infrastruktur hinter jeder Lösung.
  • Stoffe & Materialien — die akustische und gestalterische Grundlage.

Die Kombination wird durch Nutzung, Budget und Gestaltungsanspruch bestimmt. Eine Hotellobby braucht meist Vorhänge plus Wandabsorber, ein Open-Space-Büro Vorhänge plus Schiene plus Lichtkontrolle, ein Aufnahmeraum variable Absorption plus volle Verdunkelung.

Schritt 03 — Material und Faltengrad

Akustische Wirkung folgt nicht aus dem Stoff allein — sondern aus dem Zusammenspiel von Material, Faltengrad und Abstand. Drei Parameter, die in der Planung gleichzeitig festgelegt werden:

  • Stoffklasse — Akustikstoffe Klasse A bis E (αw 0,90 bis 0,15), Objektstoffe für Lichtkontrolle, schwer entflammbar B1.
  • Faltengrad — Verhältnis zwischen Stoffmenge und Schienenlänge. 1:1,5 für schlanke Optik, 1:2 als Standard, 1:2,5–1:3 für höchste Absorption.
  • Abstand zur Wand — Luftvolumen hinter dem Vorhang erhöht die Tieftonwirkung deutlich.

Planungsregel: Bei gleichem Stoff bringt Faltengrad 1:2,5 mehr als doppelt so viel Absorption wie 1:1,5. Vor der Stoffwahl steht also die Frage: Wie viel Stoff pro Meter Schiene ist möglich — gestalterisch und budgetär?

Wavetex stellt für jedes Projekt Stoffmuster und Akustikdatenblätter bereit — vor der Konfektion und mit Bezug auf den realen Aufbau, nicht nur den Stoff isoliert.

Schritt 04 — Schiene und Anschluss

Die Schiene ist Teil der akustischen Lösung. Sie bestimmt, ob ein schwerer Vorhang langfristig leichtgängig bleibt, ob der Anschluss zum Boden dicht wird, und ob Motorisierung später möglich ist.

Vier Antriebslogiken, eine Planungslogik:

  • ARVO Track (manuell) — S, M, H für 8 bis 60 kg.
  • ARVO Pull (Seilzug) — für große Anlagen bis 13 m.
  • ARVO Move (motorisiert) — 230 V, leise laufend, Gebäudeautomation-tauglich.
  • ARVO Divide (abgehängt) — Schleuderschiene für Raumtrennung, bis 180 cm unter der Decke.

In der Planung müssen früh geklärt sein: Befestigungsart (Decke aus Beton, Trockenbau, Massivholz?), Lastannahme (Vorhanggewicht × Breite × Faltengrad), Schienenführung (gerade, gekrümmt, eckig?) und Elektroanschluss bei Motorisierung.

Brandschutz und Dokumentation

Für Objekt, öffentliche Räume, Bildung und Hospitality gelten meist erhöhte Brandschutzanforderungen. Wavetex-Stoffe stehen je nach Anwendung in folgenden Klassifikationen zur Verfügung:

  • B1 nach DIN 4102-1 — schwer entflammbar, der Standard im Objekt.
  • Cs-d0 nach EN 13501-1 — europäische Klassifikation für Objektstoffe.
  • EN 13773 Klasse 1 — speziell für Vorhänge und vertikale Textilien.

Zu jedem Projekt liefert Wavetex Stoffdatenblatt, Brandschutznachweis und — auf Wunsch — Akustikprüfbericht aus dem Hallraum. Diese Dokumente lassen sich direkt in LV und Bauakt einbinden.

Schnittstellen zu Ausbau und Elektrik

Textile Akustik berührt mehrere Gewerke. Sauber geplant heißt: keine Kollisionen zwischen Schienenführung, Deckenkonstruktion, Beleuchtung und Lüftung.

  • Trockenbau — Gewindestangen, Unterkonstruktion und Aussparungen für die Schiene rechtzeitig setzen.
  • Decke (Beton, Holz) — Befestigungspunkte und Lastannahme prüfen, bei abgehängten Schienen mit dem Statiker abstimmen.
  • Elektrik — 230-V-Zuleitung am Schienenende einplanen. Bei Bus-Systemen (KNX, EIB, Somfy IB+) mit dem Elektroplaner abstimmen.
  • Beleuchtung — Strahler, Lichtbänder und Vorhang dürfen sich nicht ins Gehege kommen — Lichtkanten markieren, bevor die Schiene gesetzt wird.
  • Lüftung — Auslässe in der Vorhangzone sollten nicht direkt auf den Stoff blasen.

Aus der Planungspraxis: Schienen über 6 m werden mittig geteilt geliefert — die Stoßstelle braucht eine Vorgabe in der Ausführungsplanung. Bei motorisierten Schienen bestimmt die Position der Zuleitung, ob das Kabel sichtbar wird oder nicht.

Konfektion, Montage und Übergabe

Nach Freigabe von Stoff, Faltengrad und Schiene folgt die Konfektion in Österreich — nach exaktem Aufmaß vor Ort. Der Vorhang wird zur Schiene passend gefertigt: Faltenzugabe, Aufhängung, Bleisaum, Bodenanschluss.

Die Montage erfolgt durch das Wavetex-Team oder einen koordinierten Montagepartner. Bei der Übergabe werden geprüft:

  • Leichtgängigkeit der Schiene über die volle Länge.
  • Faltenbild und Bodenabstand.
  • Funktion der Motorisierung und Bus-Integration (falls vorhanden).
  • Übergabeprotokoll mit Stoffdaten, Akustikwerten und Pflegehinweisen.

Zusammengefasst

Textile Akustik ist planbar — wenn sie früh gedacht wird. Material, Faltengrad und Abstand bestimmen die akustische Wirkung. Schiene und Anschluss bestimmen die Bedienung und Lebensdauer. Brandschutz und Dokumentation bestimmen die Genehmigungsfähigkeit. Die Schnittstellen zu Ausbau und Elektrik bestimmen, ob alles aufgeht.

Wavetex begleitet diesen Weg als Planungspartner — von der ersten Einordnung bis zur Übergabe. Plan, Schnitt oder Foto reicht für den Einstieg.